Jetzt vergleichen
Inhaltsverzeichnis

    Ein Girokonto ist die Schaltzentrale für nahezu jede Zahlung im Alltag: Gehalt, Miete, Stromrechnung, Online-Einkauf. Trotzdem unterscheiden sich die Angebote der Banken erheblich, und zwar nicht nur bei den Kosten. Wer nur auf das Wort „kostenlos“ im Werbebanner schaut, übersieht oft, dass die Gebührenfreiheit an Bedingungen geknüpft ist oder dass die mitgelieferte Karte im Ausland kaum akzeptiert wird.

    Ein Blick auf mehrere Anbieter lohnt sich deshalb selbst dann, wenn Du schon länger bei derselben Bank bist. Kontomodelle ändern sich, weitere Anbieter kommen dazu, und ein Kontowechsel ist inzwischen unkompliziert geregelt. Bevor Du Dich für ein Konto entscheidest, hilft ein Blick auf die Kriterien, die den größten Unterschied machen: Kontoführungsgebühr, Dispozins, Kartenangebot, Bargeldversorgung und die Frage, ob eine Filiale in der Nähe wichtig ist oder nicht.

    Diese Übersicht zeigt, worauf es ankommt, ohne einzelne Anbieter zu bewerben. Am Ende zählt, welches Modell zu Deinem Zahlungsverhalten passt, nicht welche Bank gerade die lauteste Werbung schaltet.

    Illustration: Smartphone mit Banking-App, Girocard und Euro-Münze
    Smartphone mit Banking-App, Girocard und Euro-Münze

    Diese Kriterien entscheiden beim Kontovergleich

    Die meisten Girokonten wirken auf den ersten Blick ähnlich. Erst der Blick auf mehrere Konditionen zeigt, wo sich ein Kontowechsel wirklich lohnt und wo Bank und Kontomodell einfach zusammenpassen.

    Kontoführungsgebühr und ihre Bedingungen

    Die Kontoführungsgebühr ist der Posten, den Banken am unterschiedlichsten gestalten. Manche Institute verlangen einen festen Betrag pro Monat, andere erlassen die Gebühr, sobald ein regelmäßiger Geldeingang oder Gehaltseingang auf dem Konto verbucht wird. Ein wirklich kostenloses Girokonto ohne jede Bedingung ist inzwischen selten, auch wenn genau das in der Werbung oft suggeriert wird.

    Beispiel zur Einordnung, rein illustrativ: Eine Bank verlangt 5 Euro Kontoführungsgebühr im Monat, erlässt sie aber bei einem monatlichen Geldeingang ab 700 Euro. Wer sein Gehalt woanders bezieht oder als Selbstständiger unregelmäßig Rechnungen stellt, zahlt dann trotzdem die volle Gebühr. Prüfe deshalb nicht nur, ob ein Konto als kostenlos beworben wird, sondern unter welcher Bedingung das gilt und ob Du diese Bedingung dauerhaft erfüllst.

    Viele Banken bieten außerdem ein kostenloses Girokonto speziell für junge Leute an, oft bis Kunden 28 Jahre alt sind, unabhängig vom Geldeingang. Wer diese Altersgrenze überschreitet, sollte rechtzeitig prüfen, ob das bisherige Konto danach automatisch in ein kostenpflichtiges Modell wechselt. Wichtig ist außerdem der Blick auf Nebenkosten: Gebühren für Papierauszüge, für eine Ersatzkarte oder für Überweisungen am Schalter statt online. Einzeln wirken diese Posten klein, in Summe können sie die vermeintliche Kostenfreiheit wieder auffressen und die Kosten spürbar erhöhen. Rechne die Kontoführungsgebühr am besten aufs Jahr hoch, um verschiedene Banken realistisch zu vergleichen, statt nur den Monatsbetrag nebeneinanderzulegen.

    Dispozins: Was ein Überziehen wirklich kostet

    Der Dispositionskredit, kurz Dispo, erlaubt es, das Girokonto bis zu einem vereinbarten Limit zu überziehen, ohne dass die Bank vorher zustimmen muss. Praktisch für kurzfristige Engpässe, aber auch eine der teuersten Formen, sich Geld zu leihen. Der Dispozins liegt bei vielen Banken deutlich über dem Zins eines klassischen Ratenkredits.

    Beispiel zur Einordnung, rein illustrativ: Während ein regulärer Ratenkredit oft mit einem effektiven Jahreszins von wenigen Prozent kalkuliert, liegt der Dispozins bei manchen Banken zwischen 8 und 13 Prozent. Wer regelmäßig ins Minus rutscht, zahlt über das Jahr gerechnet oft deutlich mehr, als ein separater Kredit gekostet hätte.

    Für kurze Engpässe von wenigen Tagen bleibt der Dispositionskredit trotzdem praktisch, weil er sofort verfügbar ist und keinen eigenen Antrag braucht, anders als eine Kreditkarte mit festem Kreditrahmen. Für alles, was länger als einen Monat dauert, lohnt sich ein Blick auf einen regulären Kredit fast immer. Achte außerdem auf den Unterschied zwischen dem vereinbarten Dispo und einer geduldeten Überziehung über das Limit hinaus, denn diese wird von den meisten Banken zusätzlich mit Gebühren belegt.

    Vergleiche deshalb nicht nur den Dispozins, sondern auch die Zinsen für einen klassischen Ratenkredit, bevor Du eine Überziehung zur Dauerlösung machst.

    Girocard, Debitkarte oder echte Kreditkarte

    Eine kostenlose Girocard gehört bei praktisch jedem Girokonto zur Grundausstattung. Trotzdem entscheidet die mitgelieferte Karte oft darüber, wie praktisch das Konto im Alltag ist. Drei Kartentypen werden dabei häufig verwechselt, dabei unterscheiden sie sich technisch und bei der Akzeptanz erheblich.

    Die Girocard, früher als EC-Karte bekannt, funktioniert in Deutschland fast überall, sowohl an der Kasse als auch am Geldautomaten. Zum Bezahlen im Alltag reicht sie damit fast immer aus, solange Du überwiegend in Deutschland mit Karte statt mit Bargeld zahlst. Im Ausland und beim Online-Shopping stößt sie aber schnell an Grenzen, weil viele Händler sie nicht akzeptieren.

    Eine Debitkarte mit Visa- oder Mastercard-Logo bucht Zahlungen direkt und in Echtzeit vom Konto ab, wird aber weltweit akzeptiert, etwa bei Hotelbuchungen, Mietwagen oder internationalen Online-Shops. Ob eine Bank Visa oder Mastercard als Netzwerk nutzt, spielt für die Akzeptanz kaum eine Rolle, beide Systeme sind international nahezu gleichwertig verbreitet. Für die meisten Alltagszwecke reicht eine Debitkarte völlig aus und ist bei vielen Girokonten inzwischen der Standard.

    Eine echte Kreditkarte unterscheidet sich davon durch das Kreditrahmen-Prinzip: Zahlungen werden gesammelt und erst zu einem späteren Zeitpunkt, oft am Monatsende, vom Konto abgebucht. Das verschafft einen kurzen finanziellen Puffer, kann bei unüberlegter Nutzung aber auch schneller zu Schulden führen. Wer eine echte Kreditkarte will, bekommt sie bei den meisten Banken nur als Zusatzprodukt zum Girokonto und nach einer separaten Bonitätsprüfung, mehr dazu in der Übersicht zur Kreditkarte. Reisende sollten vorab prüfen, ob die eigene Bank überhaupt eine Kreditkarte im Angebot hat, bevor sie sich allein auf die Debitkarte verlassen, denn nicht jeder Anbieter führt beide Kartenarten.

    Digitale Bezahlmethoden: Apple Pay, Google Pay und Banking-App

    Neben der physischen Karte spielt inzwischen das Smartphone eine ebenso große Rolle. Die meisten Banken binden ihre Debitkarte oder Kreditkarte an Apple Pay oder Google Pay an, sodass Zahlungen direkt mit dem Handy oder der Smartwatch möglich sind. Ob die Karte im Hintergrund über Visa oder Mastercard läuft, spielt dabei keine Rolle, beide Netzwerke funktionieren mit Apple Pay und Google Pay gleichermaßen. Für Android-Geräte ist meist Google Pay relevant, für iPhones ausschließlich Apple Pay, weil Apple eigene Bezahl-Schnittstellen anderen Anbietern nicht öffnet. Die Anbindung selbst ist bei den meisten Banken kostenlos.

    Nicht jede Bank unterstützt beide Systeme gleichermaßen, und bei manchen Kontomodellen ist mobiles Bezahlen nur mit einer bestimmten Kartenvariante möglich. Wer viel unterwegs mit dem Handy bezahlen möchte, sollte diesen Punkt vor der Kontoeröffnung klären, statt sich nachträglich zu ärgern.

    Die Banking-App gehört heute ebenfalls zur Grundausstattung. Über sie lassen sich Überweisungen freigeben, Kontoauszüge einsehen und die Karte kurzfristig sperren, etwa bei Verlust. Bei den meisten Direktbanken ist die App sogar der einzige Weg, überhaupt mit der Bank zu kommunizieren, weil ein klassischer Kundenservice am Schalter fehlt.

    Bargeldversorgung: Automatennetz und Gebühren

    Wer regelmäßig Bargeld braucht, sollte das Automatennetz der Bank vorab prüfen. Verbraucher sollten dabei schon vor der Kontoeröffnung klären, wie dicht das jeweilige Netz tatsächlich ist. Filialbanken bieten meist ein dichtes eigenes Netz oder sind Teil eines Verbunds wie der Sparkassen, Volksbanken oder der Cash Group, einem Zusammenschluss mehrerer großer Banken für den gemeinsamen Automatenbetrieb. Direktbanken kooperieren dagegen oft mit Tankstellenketten, Supermärkten oder einem eigenen Automatenverbund, was in ländlichen Gegenden zu längeren Wegen führen kann.

    Kostenlos Bargeld abheben ist dabei keine Selbstverständlichkeit. Manche Banken erlauben eine begrenzte Anzahl gebührenfreier Abhebungen pro Monat, andere berechnen ab dem ersten Automaten außerhalb des eigenen Netzes eine Gebühr, oft zwischen 2 und 5 Euro pro Abhebung. Wer im Ausland Geld abheben möchte, sollte zusätzlich auf Fremdwährungsgebühren achten, die bei manchen Karten pauschal berechnet werden und bei anderen ganz entfallen. Wer im Alltag viel Bargeld nutzt, ist mit einer Filialbank und dichtem Automatennetz meist besser bedient als mit einer reinen Direktbank.

    Filialbank oder Direktbank

    Die Entscheidung zwischen Filiale und Direktbank hängt vor allem davon ab, wie Du Bankgeschäfte erledigen möchtest. Eine Filiale bietet persönliche Beratung, etwa bei einer Baufinanzierung oder komplexeren Anlagefragen, und einen Ansprechpartner vor Ort bei Problemen mit dem Konto.

    Direktbanken verzichten auf dieses Filialnetz und geben die eingesparten Kosten häufig in Form niedrigerer Gebühren oder besserer Guthabenzinsen weiter. Wer sein Konto ohnehin überwiegend per App und Online-Banking verwaltet, verliert durch den Verzicht auf die Filiale meist wenig. Wer dagegen Wert auf ein Gespräch am Schalter legt oder regelmäßig größere Bargeldbeträge einzahlen möchte, ist bei einer Filialbank oft besser aufgehoben.

    Das beste Girokonto gibt es dabei nicht pauschal, sondern nur bezogen auf das eigene Zahlungsverhalten. Überschüssiges Guthaben, das nicht für laufende Zahlungen gebraucht wird, gehört ohnehin selten auf das Girokonto: Ein separates Tagesgeldkonto bringt in der Regel bessere Guthabenzinsen und bleibt trotzdem täglich verfügbar.

    Girokonto eröffnen: So gehst Du vor

    Infografik: Kontowechsel in 5 Schritten mit gesetzlicher Kontowechselhilfe
    Kontowechsel in 5 Schritten mit gesetzlicher Kontowechselhilfe

    Die Eröffnung läuft bei den meisten Banken inzwischen vollständig online ab und ist selbst kostenlos. Nach der Auswahl des passenden Kontomodells folgen wenige Schritte, die sich zwischen den Banken kaum unterscheiden.

    1. Antragsformular online ausfüllen: eigene Daten, gewünschtes Kontomodell, bei Bedarf eine Zusatzkarte.
    2. Identität nachweisen, meist per Video-Ident-Verfahren oder mit dem Personalausweis in einer Filiale vor Ort.
    3. Unterlagen einreichen, etwa einen Gehaltsnachweis, falls das Kontomodell einen Mindestgeldeingang voraussetzt.
    4. Zugangsdaten für Online-Banking und App erhalten und das Konto freischalten.
    5. Karte abwarten, die meist innerhalb weniger Werktage per Post ankommt.

    In der Regel ist das neue Konto innerhalb weniger Tage nutzbar. Wer parallel ein bestehendes Konto auflöst, sollte die Kontoeröffnung zuerst abschließen, bevor er Daueraufträge und Lastschriften kündigt, damit keine Zahlung ins Leere läuft. Für eine Kontoeröffnung braucht es in Deutschland grundsätzlich einen gültigen Ausweis und einen festen Wohnsitz, weitere Anforderungen unterscheiden sich je nach Bank und Kontomodell.

    Girokonto wechseln: Die gesetzliche Kontowechselhilfe

    Ein Kontowechsel scheitert in der Praxis selten an der neuen Bank, sondern an der Sorge, dass irgendein Dauerauftrag oder eine Lastschrift verloren geht. Genau dafür gibt es seit einigen Jahren eine gesetzliche Regelung, das Zahlungskontengesetz. Es verpflichtet Banken dazu, Kunden beim Umzug zu einem neuen Konto aktiv zu unterstützen, und zwar kostenlos.

    Konkret bedeutet das: Die neue Bank fragt bei der bisherigen Bank automatisch alle eingehenden Daueraufträge, Lastschriftmandate und regelmäßigen Zahlungspartner ab, sofern Du der Übertragung zustimmst. Zahlungspartner wie Arbeitgeber, Versicherungen oder Vermieter werden über die neue Kontoverbindung informiert, ohne dass Du jeden einzeln selbst anschreiben musst. Der gesamte Prozess muss innerhalb einer gesetzlich vorgegebenen Frist von wenigen Geschäftstagen abgeschlossen sein.

    Trotz dieser Wechselhilfe lohnt sich ein eigener Kontrollblick: Prüfe im Anschluss, ob wirklich alle Lastschriften auf das neue Konto umgestellt wurden, bevor Du das alte Konto endgültig kündigst. Eine Übergangszeit von ein bis zwei Monaten, in der beide Konten parallel bestehen, verhindert, dass eine übersehene Zahlung zurückgebucht wird oder eine Mahnung ins Haus flattert.

    Girokonto im EU-Ausland: Was beim grenzüberschreitenden Banking gilt

    Wer im EU-Ausland lebt oder arbeitet, muss nicht zwangsläufig ein Konto bei einer deutschen Bank behalten. Die europäische Zahlungskontenrichtlinie, die auch dem deutschen Zahlungskontengesetz zugrunde liegt, sichert EU-Bürgern das Recht auf ein Basiskonto in jedem Mitgliedstaat zu, unabhängig vom Wohnsitzland. Das erleichtert es, ein Konto zu eröffnen, auch ohne bereits vor Ort gemeldet zu sein.

    Für Überweisungen innerhalb der EU gilt zudem, dass sie in der Regel genauso kostenlos oder genauso teuer sein müssen wie eine Inlandsüberweisung, sofern der Betrag in Euro überwiesen wird. Wer öfter Geld ins EU-Ausland schickt, etwa an Familie oder für eine Zweitwohnung, sollte trotzdem die Wechselkursgebühren im Blick behalten, falls die Überweisung nicht in Euro erfolgt, denn hier verlangen Banken teils deutliche Aufschläge auf den echten Wechselkurs. Auch beim Abheben von Bargeld im Ausland lohnt sich ein Blick auf die Kosten, selbst innerhalb der Eurozone, und eine Kreditkarte ohne Fremdwährungsgebühr kann sich für solche Zahlungen zusätzlich lohnen.

    Basiskonto: Anspruch für jedermann

    Nicht jeder erfüllt die Voraussetzungen für ein reguläres Girokonto, etwa bei negativer Schufa-Auskunft, ohne festen Wohnsitz oder ohne Aufenthaltstitel. Für genau diese Fälle gibt es das Basiskonto. Jede Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in Deutschland hat einen gesetzlichen Anspruch darauf, unabhängig von Einkommen oder Bonität, und jede Bank, die Girokonten für Verbraucher anbietet, muss diesen Anspruch erfüllen. Er besteht dauerhaft, unabhängig davon, wie sich die eigene finanzielle Situation entwickelt.

    Das Basiskonto bietet die grundlegenden Funktionen eines Girokontos: Überweisungen, Lastschriften, eine Debitkarte zum Bezahlen und Abheben. Einen Dispo gibt es dabei in der Regel nicht, und ein Basiskonto ist nicht automatisch kostenlos: Manche Banken berechnen dafür eine höhere Kontoführungsgebühr als für ein reguläres Konto, sodass Inhaber teils mehr zahlen als bei einem regulären Girokonto. Wer trotz negativer Bonitätsauskunft ein vollwertigeres Konto mit mehr Funktionen sucht, findet bei spezialisierten Anbietern für schufafreie Girokonten und Kredite oft eine Alternative, die über das Basiskonto hinausgeht.

    Pfändungsschutzkonto: Schutz bei finanziellen Engpässen

    Gerät ein Konto durch eine Pfändung ins Minus, lässt sich jedes Girokonto innerhalb weniger Tage in ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto, umwandeln. Auf diesem Konto bleibt ein gesetzlich festgelegter Grundfreibetrag automatisch vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt, sodass laufende Ausgaben wie Miete und Lebensmittel weiterhin bezahlt werden können. Die Bank darf die Umwandlung nicht verweigern, verlangt dafür aber oft eine etwas höhere Kontoführungsgebühr als für das reguläre Konto.

    Für die Umwandlung reicht in der Regel ein formloser Antrag bei der eigenen Bank, und die Umwandlung selbst ist gesetzlich kostenlos. Wer den Freibetrag erhöhen möchte, etwa wegen Unterhaltspflichten für Kinder, braucht dafür eine zusätzliche Bescheinigung, die eine Schuldnerberatung oder das zuständige Amtsgericht ausstellt.

    Sicherheit: Einlagensicherung gilt auch für das Girokonto

    Schaubild: Girokonto-Vergleich im Detail
    Girokonto-Vergleich im Detail

    Ein verbreitetes Missverständnis ist, die gesetzliche Einlagensicherung gelte nur für Sparkonten oder Festgeld. Tatsächlich ist auch das Guthaben auf einem Girokonto bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert, und zwar bei jeder Bank in Deutschland und bei den meisten Banken aus anderen EU-Staaten gleichermaßen. Geht die Bank pleite, bekommst Du Dein Geld bis zu dieser Grenze zurück, unabhängig davon, wie viele Konten Du bei diesem Institut führst, denn die Guthaben werden addiert.

    Wer deutlich mehr als 100.000 Euro auf einem Konto liegen hat, sollte den überschüssigen Betrag auf ein zweites Institut verteilen, um auch diesen Teil abzusichern. Für das laufende Girokonto ist das selten ein Thema, weil dort meist nur der Betrag für die nächsten Ausgaben liegt. Bei einem separaten Tagesgeldkonto für größere Rücklagen lohnt sich der Blick auf die Einlagensicherung und die Zinsen dagegen deutlich öfter.

    Sicherheitsverfahren und TAN: Wie Online-Banking geschützt wird

    Jede Überweisung im Online-Banking muss heute per TAN bestätigt werden, meist über eine eigene App auf dem Smartphone. Ältere Verfahren wie die SMS-TAN, bei der ein Code per Kurznachricht ankommt, werden von immer mehr Banken eingestellt, weil sie als weniger sicher gelten. Stattdessen setzen die meisten Banken hierzulande auf ein photoTAN- oder App-basiertes Verfahren, bei dem ein zweites Gerät die Freigabe bestätigt. Das Verfahren selbst ist für Kunden kostenlos, sodass niemand zusätzliche Gebühren zahlen muss, nur um Überweisungen freizugeben.

    Für Dich als Kontoinhaber bedeutet das in der Praxis: Ohne ein zweites, meist mobiles Gerät läuft beim Online-Banking wenig. Wer sein Smartphone verliert, sollte deshalb nicht nur die Karte sperren lassen, sondern auch umgehend die Bank informieren, damit das TAN-Verfahren auf ein Ersatzgerät übertragen werden kann.

    Ein weiterer Aspekt, der bei vielen Banken zunehmend Thema ist: Nachhaltigkeit. Manche Institute werben damit, keine Investitionen in fossile Energieträger oder Rüstungsgüter zu tätigen, oder verweisen auf eine unabhängige Zertifizierung. Ob das für Dich ein Auswahlkriterium ist, bleibt eine eigene Entscheidung, die sich unabhängig von Gebühren und Kartenangebot treffen lässt.

    Spezialkonten: Geschäftskonto, Gemeinschaftskonto und Girokonto für Kinder

    Neben dem klassischen Einzelkonto bieten die meisten Banken weitere Kontomodelle für besondere Lebenslagen an. Diese Angebote lohnen sich, sobald das Standardkonto nicht mehr zur eigenen Situation passt.

    Ein Geschäftskonto richtet sich an Selbstständige und Unternehmen und trennt private und geschäftliche Zahlungen sauber voneinander, was spätestens bei der Steuererklärung viel Zeit spart. Die Kontoführungsgebühr liegt hier meist höher als bei einem privaten Girokonto und ist selten kostenlos, dafür sind oft zusätzliche Funktionen wie eine Anbindung an Buchhaltungssoftware enthalten. Selbstständige sollten die jährlichen Kosten eines Geschäftskontos immer gegen den Zeitaufwand einer sauberen manuellen Trennung von privaten und geschäftlichen Buchungen rechnen.

    Ein Gemeinschaftskonto führen zwei oder mehr Personen gemeinsam, etwa Paare oder Wohngemeinschaften. Bei einem Und-Konto müssen beide Inhaber jede Verfügung gemeinsam freigeben, bei einem Oder-Konto kann jeder allein über das Guthaben verfügen. Welche Variante passt, hängt stark vom gegenseitigen Vertrauen und der Art der gemeinsamen Ausgaben ab.

    Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Girokonten, die meist ohne Dispo und mit einem niedrigeren Verfügungsrahmen ausgestattet sind, dafür aber oft bis zu einem bestimmten Alter kostenlos bleiben. Eltern erhalten dabei oft Einblick in die Kontobewegungen, während der Nachwuchs schon früh den Umgang mit Bargeld, den eigenen Kosten und einer eigenen Debitkarte lernt.

    Unser TippRechne Kontogebühren immer aufs Jahr hoch und prüfe die Bedingungen wie den Mindestgeldeingang. Erst dann vergleichst Du ehrlich.

    8 Tipps rund ums Girokonto

    1. Prüfe die Bedingung hinter dem Wort „kostenlos“, nicht nur die Werbeaussage selbst.
    2. Vergleiche den Dispozins mehrerer Banken, bevor Du eine dauerhafte Überziehung in Kauf nimmst.
    3. Kläre, ob Girocard, Debitkarte oder echte Kreditkarte zu Deinem Zahlungsverhalten passt.
    4. Prüfe, ob Apple Pay oder Google Pay mit Deiner Karte unterstützt werden, falls Dir mobiles Bezahlen wichtig ist.
    5. Rechne die Kosten für Bargeldabhebungen außerhalb des eigenen Automatennetzes mit ein.
    6. Nutze die gesetzliche Kontowechselhilfe, statt Daueraufträge einzeln von Hand zu übertragen.
    7. Lass größere Rücklagen nicht auf dem Girokonto liegen, sondern auf einem separaten Tagesgeldkonto.
    8. Behalte bei einem Gemeinschaftskonto im Blick, ob ein Und-Konto oder ein Oder-Konto besser zu Deiner Situation passt.

    Girokonto im Zusammenspiel mit anderen Finanzprodukten

    Ein Girokonto steht selten allein. Wer öfter ins Minus rutscht, sollte den Dispositionskredit nur für kurze Engpässe nutzen und bei längerem Bedarf einen klassischen Kredit prüfen, weil der Dispozins fast immer teurer ausfällt. Wer Rücklagen bilden will, findet auf einem Tagesgeldkonto meist bessere Zinsen als auf dem Girokonto selbst, ohne auf die tägliche Verfügbarkeit zu verzichten. Für Reisen, Online-Einkäufe im Ausland oder größere Anschaffungen lohnt sich zusätzlich der Blick auf eine passende Kreditkarte, weil nicht jede Girocard weltweit akzeptiert wird. Und wer wegen einer negativen Schufa-Auskunft bei klassischen Banken abgelehnt wurde, findet über schufafreie Girokonten und Kredite Anbieter, die andere Kriterien anlegen als die Hausbank.

    FAQ zum Girokonto Vergleich

    Welches Girokonto ist wirklich kostenlos?

    Vollständig kostenlose Girokonten ohne jede Bedingung sind selten geworden. Die meisten Banken erlassen die Kontoführungsgebühr nur bei einem regelmäßigen Mindestgeldeingang, oft zwischen 700 und 1.000 Euro im Monat, oder bieten kostenlose Konten speziell für Kunden unter 28 Jahren an. Wer keine dieser Bedingungen erfüllt, zahlt trotz Werbung mit „kostenlos“ die reguläre Gebühr.

    Was kostet ein Girokonto im Durchschnitt?

    Bei Direktbanken liegt die Kontoführungsgebühr häufig bei null, sofern die Bedingungen erfüllt sind. Filialbanken verlangen oft zwischen 3 und 10 Euro im Monat, in Einzelfällen auch mehr. Hinzu kommen mögliche Kosten für Zusatzkarten, Papierauszüge oder Abhebungen außerhalb des eigenen Automatennetzes.

    Wie wechsle ich mein Girokonto zu einer anderen Bank?

    Nach der Eröffnung des neuen Kontos übernimmt die neue Bank auf Wunsch die gesetzliche Kontowechselhilfe: Sie fragt Daueraufträge und Lastschriftmandate bei der alten Bank ab und informiert Zahlungspartner automatisch. Prüfe trotzdem selbst, ob alle Zahlungen umgestellt wurden, bevor Du das alte Konto kündigst.

    Was ist ein Basiskonto und wer hat Anspruch darauf?

    Das Basiskonto ist ein Girokonto mit Grundfunktionen, auf das jede Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in Deutschland gesetzlichen Anspruch hat, unabhängig von Bonität oder Einkommen. Einen Dispo gibt es dabei meist nicht, und die Gebühren liegen teils über denen eines regulären Kontos.

    Lohnt sich eine Direktbank oder besser eine Filialbank?

    Das hängt vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Direktbanken punkten meist mit niedrigeren Gebühren und besseren Guthabenzinsen, bieten aber keine Beratung vor Ort. Filialbanken eignen sich besser, wenn Du oft Bargeld einzahlst oder Wert auf ein Gespräch am Schalter legst.

    Wie sicher ist mein Geld auf dem Girokonto?

    Guthaben auf dem Girokonto sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank abgesichert, genau wie bei Spar- oder Tagesgeldkonten. Bei höheren Beträgen lohnt sich eine Verteilung auf mehrere Institute, auch wenn das beim laufenden Girokonto selten notwendig ist.

    Porträt-Illustration von Tobias Friedrich
    „Ein Konto, das nur mit Gehaltseingang kostenlos ist, ist kein kostenloses Konto. Rechne mit Deinem echten Verhalten, nicht mit dem Idealfall aus der Werbung.“Tobias Friedrich, Gründer von Bonitrust, geprüfter Fachmann nach § 34d GewO

    Fazit

    Bei der Wahl des passenden Girokontos entscheidet selten ein einzelnes Kriterium, sondern das Zusammenspiel aus Kontoführungsgebühr, Dispozins, Kartenangebot und Bargeldversorgung. Wer seine eigenen Zahlungsgewohnheiten kennt, findet meist schnell heraus, ob eine Direktbank mit niedrigen Kosten oder eine Filialbank mit besserer Beratung vor Ort die besten Konditionen bietet. Die gesetzliche Kontowechselhilfe nimmt einem Kontowechsel dabei einen Großteil des Aufwands ab, und die Einlagensicherung sorgt dafür, dass das Guthaben unabhängig von der gewählten Bank geschützt bleibt. Wer zusätzlich Rücklagen richtig verteilt, die passende Zusatzkarte wählt und bei Bedarf ein Sonderkonto wie Basiskonto, Geschäftskonto oder Gemeinschaftskonto in Betracht zieht, hat mit einem gründlichen Kontovergleich langfristig ausgesorgt. Ein einmal im Jahr wiederholter Blick auf die eigenen Kosten hilft zusätzlich, teure Gewohnheiten frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich über die Jahre summieren.

    Porträt-Illustration von Tobias Friedrich

    Tobias Friedrich

    Gründer & geprüfter Fachmann für Versicherungsvermittlung (§ 34d GewO, IHK)

    Tobias ist Gründer der Finanzriese GmbH und IHK-geprüfter Fachmann für Versicherungsvermittlung nach § 34d GewO. Der frühere Maschinenbau-Ingenieur erklärt Finanzprodukte so, dass Zahlen nachvollziehbar werden. Zuletzt aktualisiert am 10.07.2026. Unsere Methodik →