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Wer eine Immobilie finanziert, kennt das Problem: Die Zinsbindung läuft irgendwann aus, und niemand weiß, wie hoch die Zinsen dann tatsächlich stehen. Ein Forward-Darlehen setzt genau hier an. Du schließt schon Monate oder Jahre vor dem Ende Deiner aktuellen Zinsbindung einen Vertrag für die Anschlussfinanzierung ab und legst den Zinssatz zu den Konditionen fest, die heute gelten, nicht zu denen, die in einigen Jahren gelten werden.

Das klingt nach einem einfachen Weg, sich gegen steigende Zinsen abzusichern, und in vielen Fällen ist es das auch. Allerdings ist ein Forward-Darlehen im Kern eine Wette auf die künftige Zinsentwicklung, die sich nicht rückgängig machen lässt, wenn sie nicht aufgeht. Deshalb lohnt sich vorab ein genauer Blick auf Funktionsweise, Kosten und vor allem auf das Risiko, das viele Ratgeber nur am Rande erwähnen.

Dieser Artikel ordnet die Baufinanzierung und das Forward-Darlehen als eine ihrer Varianten ein, erklärt den Unterschied zwischen echtem und unechtem Forward-Darlehen und zeigt, welche Alternativen es gibt, falls Dir die Bindung an einen fest vereinbarten Zinssatz zu riskant erscheint.

Was ist ein Forward-Darlehen in der Baufinanzierung?

Der Begriff Forward stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie vorausschauend oder im Voraus. Ein Forward-Darlehen ist eine Anschlussfinanzierung, deren Konditionen Du bereits vor dem eigentlichen Finanzierungsbeginn festschreibst. Die Zeitspanne zwischen Abschluss und dem tatsächlichen Start der neuen Finanzierung heißt Forward-Periode, manchmal auch Forward-Phase genannt. Je nach Bank kannst Du diese Phase auf bis zu fünf Jahre im Voraus vereinbaren, wobei die meisten Institute eine Spanne zwischen sechs und 36 Monaten als praxisnah ansehen.

Während dieser Forward-Phase zahlst Du weder Zinsen noch Tilgung auf das neue Darlehen. Es existiert zunächst nur als Zusage, die Dir garantiert, dass Du zum vereinbarten Zeitpunkt einen Kredit zu den heute festgelegten Konditionen erhältst. Erst wenn Deine bisherige Zinsbindungsfrist endet, wird das Darlehen aktiv und löst die alte Finanzierung ab.

Wie funktioniert ein Forward-Darlehen: echt oder unecht?

Wichtig ist die Abgrenzung zwischen echtem und unechtem Forward-Darlehen. Beim echten Forward-Darlehen beginnt die neue Zinsbindungsfrist erst zum Ende der bestehenden Bindung, nahtlos im Anschluss an die laufende Finanzierung. Beim unechten Modell dagegen startet die Zinsbindung bereits mit der Unterschrift, das Geld wird aber erst später abgerufen. Diese zweite Variante taucht häufiger bei Neubauvorhaben auf, bei denen die Auszahlung ohnehin gestaffelt erfolgt, und kann dazu führen, dass für nicht abgerufene Beträge zusätzliche Bereitstellungszinsen anfallen.

Was kostet ein Forward-Darlehen?

Die Bank übernimmt mit einem Forward-Darlehen das Risiko, dass die Bauzinsen bis zum Auszahlungstermin steigen. Für dieses Risiko verlangt sie einen Zinsaufschlag auf den aktuellen Sollzins, den sogenannten Forward-Aufschlag. Er wird je Monat Wartezeit berechnet und fällt umso höher aus, je weiter der vereinbarte Finanzierungsbeginn in der Zukunft liegt.

Beispiel zur Einordnung, rein illustrativ: Viele Banken kalkulieren für jeden Monat Wartezeit einen Aufschlag von wenigen hundertstel Prozentpunkten, etwa 0,01 bis 0,03 Prozent pro Monat. Bei zwölf Monaten Vorlauf wären das rund 0,12 bis 0,36 Prozentpunkte, bei 24 Monaten voraus entsprechend das Doppelte.

Forward-Aufschlag berechnen: ein Beispiel

Was das in Euro bedeutet, zeigt eine einfache Beispielrechnung: Bei einem Restdarlehen von 200.000 Euro und einem Aufschlag von 0,3 Prozentpunkten steigt die jährliche Zinslast um rund 600 Euro, über zehn Jahre summiert sich das auf mehrere Tausend Euro. Ob sich das lohnt, hängt allein davon ab, ob die Zinsen bis zur Auszahlung stärker steigen, als der Aufschlag kostet.

Ein Vergleich mehrerer Banken lohnt sich hier besonders, weil sich die Höhe des Aufschlags von Institut zu Institut spürbar unterscheidet. Wer nur bei der Hausbank anfragt, zahlt häufig mehr, als nötig wäre. Achte dabei nicht nur auf den Sollzins, sondern auch auf den effektiven Jahreszins, der Angebote unterschiedlicher Banken wirklich vergleichbar macht.

Das zentrale Risiko: die Abnahmepflicht

Der wichtigste Punkt, den Du vor Abschluss eines Forward-Darlehens verstehen solltest, ist die Abnahmepflicht. Mit der Unterschrift verpflichtest Du Dich, den Kredit zum festgelegten Zeitpunkt tatsächlich abzunehmen, und zwar zu den Konditionen, die Du heute mit der Bank vereinbart hast. Das gilt unabhängig davon, wie sich die Zinsen am Markt bis dahin entwickeln.

Sind die Zinsen zum Auszahlungstermin niedriger als heute, sitzt Du auf einem Darlehen, das teurer ist als das, was Du zu diesem Zeitpunkt anderswo bekommen würdest. Möchtest Du den Kredit trotzdem nicht abnehmen, verlangt die Bank meist eine Nichtabnahmeentschädigung, die den Zinsschaden ausgleicht und je nach Restlaufzeit und Zinsdifferenz erheblich ausfallen kann. Viele Ratgeber stellen das Forward-Darlehen vor allem als Chance dar. Ehrlicherweise ist es aber vor allem eine Zinswette: Sie lohnt sich nur, wenn die Zinsen tatsächlich steigen. Bei gleichbleibenden oder fallenden Zinsen ist ein Forward-Darlehen meist die falsche Wahl.

Wann ist ein Forward-Darlehen sinnvoll?

Ein Forward-Darlehen passt am ehesten, wenn Du mit steigenden Zinsen rechnest und Planungssicherheit höher gewichtest als die Chance auf einen späteren, möglicherweise günstigeren Kredit. Wer seine monatliche Rate schon heute verlässlich kalkulieren möchte, profitiert von der frühen Festschreibung, selbst wenn der Forward-Aufschlag die Konditionen etwas verteuert.

Weniger sinnvoll ist ein Forward-Darlehen, wenn die aktuellen Bauzinsen bereits vergleichsweise hoch stehen oder wenn Deine Lebensplanung noch unsicher ist, etwa bei einem möglichen Jobwechsel, einer geplanten Familienerweiterung oder einem eventuellen Verkauf der Immobilie vor Ende der laufenden Bindung. In diesen Fällen bindest Du Dich langfristig an einen Kredit, dessen Vorteil vom Zufall der künftigen Zinsentwicklung abhängt, während die Nachteile bei einer Nichtabnahme sicher und real sind. Kunden, die sich in dieser Lage unsicher fühlen, sollten eher eine kürzere Vorlaufzeit wählen oder ganz auf das Forward-Darlehen verzichten.

Alternativen zum Forward-Darlehen

Ein Forward-Darlehen ist nicht die einzige Möglichkeit, Dich auf das Ende Deiner Zinsbindung vorzubereiten. Drei Alternativen solltest Du kennen, bevor Du Dich festlegst.

Die erste ist die Prolongation: Du bleibst bei Deiner bisherigen Bank und verlängerst die bestehende Finanzierung zu den dann aktuellen Konditionen. Das ist der bequemste Weg, weil kein neuer Vertrag mit fremder Bank nötig ist, führt aber selten zu den besten Zinsen, weil die Hausbank auf die Trägheit vieler Kunden setzt.

Die zweite ist die klassische Umschuldung zum Ablauf der Zinsbindung: Du wartest bis kurz vor Vertragsende und vergleichst dann die Angebote mehrerer Banken, statt Dich Jahre vorher festzulegen. Diese Variante lässt Dir mehr Flexibilität, weil Du auf die dann tatsächlich geltenden Zinsen reagierst, nicht auf eine Prognose. Wann sich eine Umfinanzierung lohnt, hängt vor allem vom Zinsunterschied und der verbleibenden Restschuld ab.

Die dritte Option ist das Abwarten in Kombination mit dem gesetzlichen Kündigungsrecht nach § 489 BGB. Danach kannst Du ein Darlehen mit gebundenem Sollzins zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung mit einer Frist von sechs Monaten kündigen, unabhängig von der ursprünglich vereinbarten Zinsbindung. Auch bei einer besonders langen Zinsbindung von 15 oder 20 Jahren bist Du über dieses Recht also nicht dauerhaft gebunden und kannst danach neu verhandeln oder wechseln.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Der klare Vorteil eines Forward-Darlehens liegt in der Planungssicherheit: Du kennst Deine künftige Rate bereits heute und musst Dich später nicht mit der Unsicherheit steigender Zinsen auseinandersetzen. Gerade bei knapp kalkuliertem Haushaltsbudget kann diese Sicherheit den Forward-Aufschlag wert sein.

Der Nachteil ist die Kehrseite: Die Bindung gilt auch dann, wenn die Zinsen fallen. Hinzu kommt der Forward-Aufschlag, der bei kurzer Vorlaufzeit gering ausfällt, bei langer Vorlaufzeit aber spürbar zu Buche schlägt. Wer sich für ein Forward-Darlehen entscheidet, sollte realistisch einschätzen, wie sicher die eigene Zinserwartung wirklich ist, statt allein auf Prognosen von Vermittlern zu vertrauen, die am Abschluss verdienen.

So findest Du das passende Angebot

  • Vergleiche mehrere Banken, nicht nur Deine Hausbank. Der Forward-Aufschlag unterscheidet sich teils deutlich zwischen den Instituten.
  • Frage nach der genauen Höhe des Aufschlags je Monat und lass Dir das Angebot schriftlich mit dem Enddatum der aktuellen Bindung bestätigen.
  • Kläre vorab, wie viel Eigenkapital für die Baufinanzierung nötig ist, falls Du bei der Anschlussfinanzierung zusätzliche Rücklagen einbringen möchtest.
  • Prüfe die Bedingungen zur Nichtabnahmeentschädigung, bevor Du unterschreibst.
  • Wähle die Vorlaufzeit so kurz wie möglich. Je näher der Abschluss am tatsächlichen Bedarf liegt, desto geringer fällt der Aufschlag aus.

Eine persönliche Beratung, die neben dem Zinssatz auch die Nichtabnahmeentschädigung und die Flexibilität bei vorzeitiger Kündigung offen anspricht, ist bei einer so langfristigen Entscheidung mehr wert als ein vermeintlich günstiger Zinssatz allein.

FAQ zum Forward-Darlehen

Was ist ein Forward-Darlehen einfach erklärt?

Ein Forward-Darlehen ist eine Anschlussfinanzierung, deren Zinssatz Du schon Monate oder Jahre vor dem eigentlichen Start vereinbarst. Du sicherst Dir damit die heutigen Konditionen für einen Kredit, der erst in der Zukunft beginnt, meist zum Ablauf Deiner aktuellen Zinsbindung.

Wann lohnt sich ein Forward-Darlehen?

Sinnvoll ist ein Forward-Darlehen vor allem, wenn Du mit steigenden Zinsen rechnest und Planungssicherheit für Deine künftige Rate möchtest. Erwartest Du gleichbleibende oder fallende Zinsen, überwiegt meist der Nachteil des Forward-Aufschlags und der Abnahmepflicht.

Was kostet ein Forward-Darlehen?

Die Kosten entstehen durch den Forward-Aufschlag, den die Bank pro Monat Vorlaufzeit auf den Zinssatz aufschlägt. Beispiel zur Einordnung: Bei wenigen hundertstel Prozentpunkten pro Monat und 24 Monaten Vorlauf kommen schnell mehrere Zehntel Prozentpunkte zusammen, abhängig vom jeweiligen Anbieter.

Was passiert, wenn die Zinsen bei einem Forward-Darlehen fallen?

Du bist trotzdem verpflichtet, das Darlehen zum vereinbarten Zinssatz abzunehmen. Verzichtest Du darauf, verlangt die Bank in der Regel eine Nichtabnahmeentschädigung, die den entgangenen Zinsertrag ausgleicht und je nach Fall deutlich ins Gewicht fallen kann.

Wie weit im Voraus kann man ein Forward-Darlehen abschließen?

Je nach Anbieter lässt sich ein Forward-Darlehen bis zu etwa fünf Jahre vor dem eigentlichen Finanzierungsbeginn abschließen. In der Praxis wählen die meisten Kreditnehmer eine kürzere Vorlaufzeit zwischen sechs Monaten und drei Jahren, weil dadurch der Aufschlag geringer ausfällt.

Was ist der Unterschied zwischen einem echten und einem unechten Forward-Darlehen?

Beim echten Forward-Darlehen beginnt die neue Zinsbindung erst zum Ende der laufenden Finanzierung. Beim unechten Forward-Darlehen startet die Zinsbindung bereits mit Vertragsabschluss, während die Auszahlung erst später erfolgt, etwa bei gestaffelten Neubauvorhaben.

Fazit

Ein Forward-Darlehen sichert Dir die heutigen Konditionen für eine Anschlussfinanzierung, die erst in der Zukunft beginnt, und schützt Dich damit vor steigenden Zinsen. Der Preis dafür ist der Forward-Aufschlag und vor allem die Abnahmepflicht: Fallen die Zinsen bis zum Auszahlungstermin, bleibst Du trotzdem an den vereinbarten Zinssatz gebunden oder zahlst eine Nichtabnahmeentschädigung. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte das bewusst als Zinswette verstehen, die Vorlaufzeit möglichst kurz halten und die Alternativen wie Prolongation, spätere Umschuldung oder das Kündigungsrecht nach § 489 BGB in die eigene Abwägung einbeziehen.